H&H Schottel-Steuerung

 

Nun hatten wir zwar zwei Schottel, aber wie bewegen wir die unter dem Schiff?

 

Viel InterNet-Recherge und die gängigen Methoden mit Servos, Getriebe, vielen Poti's und was auch sonst noch, alles ausprobiert! Erfolg war eher mässig, das Ganze unhandlich, ungenau und vor allem alles andere als naturgetreu!

 

Da wir in unserer CNC-Fräse Schrittmotoren haben, wurde eine neue Idee geboren! Viele Versuche, zuerst an der Fräse, Programme für den PC erstellt, aber auch nicht das Wahre. Vor allem kein Haltemoment und zuwenig Kraft für die Drehung eines laufenden Schottels. Zudem waren wir am Schluss auf 48 Volt Versorgungs-Spannung, unbewusst sind wir da immer höher gegangen, bis sich wenigstens etwas Dynamik eingestellt hat. Nun braucht das aber schon fast einen PC und der Sender-Geber war auch noch ein grosses Fragezeichen.

 

Viele Poti's gesucht, mechanisch war 360 Grad, aber eben nur mechanisch. Ein 10-Gang-Poti hat auch irgendwann ein Ende der Fahnenstange. Die Suche ging weiter und dann haben wir einen Geber gefunden, 360 Grad, sowohl mechanisch, wie auch elektrisch. Aber leider sehr teuer.

 

 

Das alles waren keine Lösungen, ineffizient, zu teuer und im Felde praktisch nicht brauchbar. Also war die Suche von neuen Lösungen angesagt. In vielen Foren mussten wir feststellen, alle haben die gleichen Probleme und viele suchen und forschen. Aber die gute Lösung fehlte an allen Ecken.

 

Von einem früheren Projekt her kannte ich HBose. Einen guten Freund in Deutschland, der mir bei der Steuerung für unseren Leuchtturm eine perfekte und seit langer Zeit funktionierende Steuerung gebaut hat. Und er steht mit Mirco-Prozessoren auf Du & Du!

 

Da wir beide ja Hans heissen, soll auch keine Verwirrung gestiftet werden. Mit HBose ist immer der Hans in Deutschland gemeint.

 

Ein Anruf nach Deutschland hat das Projekt reifen lassen. Mitte April 2010 haben wir uns darüber mal telefonisch unterhalten und von da an ging es langsam, zwischendurch mit viel Kraft- und Zeit-Aufwand, immer bergauf.

 

Beim Projekt-Beginn haben wir viele Parameter besprochen und ein Konzept ausgearbeitet, da HBose und ich in verschiedenen Ländern wohnen. Die heutigen Kommunikations-Wege lassen so ein Projekt auch über Entfernungen entstehen. Die vielen Zeichnungen, Pläne, Skizzen, Schemata und Print-Layouts haben wir über einen gemeinsamen FTP-Server verwaltet und damit sichergestellt, dass wir gegenseitig immer Up-to-Date waren. Und da waren seit dem Projekt-Start Mitte April bis heute (Mitte August) noch über 800 E-Mail’s und rund 1,5 GB Daten-Volumen auf unserem FTP-Server, welche zwischen Deutschland und der Schweiz vermittelt worden sind.

 

 

Folgende Voraussetzungen waren uns wichtig:

 

Umbau Sender: Kreuzknüppel ausbauen, Schottel-Geber einbauen, d.h. keine Eingriffe in die Elektronik des Senders

 

Auf der Empfänger-Seite wird das normale Servo durch die Schottel-Steuerung ersetzt, auch hier keine Eingriffe in Empfänger und Signal-Weg

 

Einbau und Einstellungen für jeden Anwender einfach und transparent, eingestellte Parameter werden dauerhaft im Schottel-Antrieb auf dem Chip gespeichert

 

Schottel-Verhalten wie im Original, also kein Super-Speed-Servo, sondern die reale Abbildung eines Schottels, mit all seinen Mängeln (z.B. Laufzeit pro Umdrehung)

 

Weg-Optimierung, d.h. der Schottel sucht den kürzesten Weg bei grossen Kurs-Aenderungen, läuft also im Maximum 180 Grad, in die entsprechende Richtung

 

Kräftiger Servo-Motor, auch für grosse Schottel

 

Die End-Lösung (Geber und Schottel-Servo) soll eine Low-Cost-Lösung werden.

 

 

Wir haben uns dann aufgeteilt, HBose hat den Schottel-Antrieb geplant, gebaut und die recht komplexe Software entwickelt, während ich mich mit dem Geber-Teil der RC-Steuerung beschäftigt habe und dabei die Programmierung von Micro-Prozi's in einem Cross-Kurs erlernt habe. Das Ganze ist entstanden, ohne dass wir uns in dieser Zeit persönlich getroffen haben. Für mich war immer wieder verblüffend, wie HBose meine Ideen und Aenderungs-Wünsche umgesetzt hat. Einfach genial.

 

In der Entwicklungszeit haben wir hier in der Schweiz auch zum ersten Mal SMD-Chips verlötet. Anfangs haben Ruth und ich das auch mit angebrannten Fingern auch körperlich erlebt. HBose hat uns dann den entscheidenden Tip gegeben; der Lötkolben darf nur auf der kalten Seite angefasst werden. Aha, dann hat auch das plötzlich geklappt.

 

Es war erstaunlich, wie schnell HBose immer wieder ein neues Layout und einen neuen Print erstellt hat. Er hat das gemacht, da wir hier noch nicht soweit waren, die Print's selber zu erstellen. Heute ist auch bei uns alles vorhanden um Layouts und Prints zu erstellen und die Streifenraster-Platinen gehören der Vergangenheit an. Hier haben wir viel profitiert. Und wir machen nun fast für jeden "Blödsinn" schnell einen Print.

 

Parallel zur Elektronik-Entwicklung haben wir noch einen Schottel-Springer gebaut, damit wir hier eine Test-Plattform haben. Dank der vielen Arbeit meiner Gattin, u.A. auch viel Schleif-Arbeit, konnte ich mich mit der Elektronik, der Programmierung und dem Testen beschäftigen.

 

Es waren interessante Wochen, mit kleinen Rückschlägen, aber immer wieder mit Erfolgs-Erlebnissen.  Also ein richtiges Team-Projekt.

 

 

Mitte Juni, also zwei Monate nach Start der Entwicklung, war die Steuerung für den Einbau fertig:

 

 

 

Berücksichtigt man auch den Schottelbau und die von uns ausgeführten Irr-Wege (Schritt-Motoren), ist das Ganze in einem halben Jahr, neben Beruf und viel Arbeit, entstanden. Eine Leistung, an welcher wir uns alle freuen.

 

 

Es war klar, dass der Stapellauf unseres Schiffes ein Erlebnis war und HBose uns hier mit seiner Frau besucht hat. Es war ein Wochenende mit viel Technik und sehr stolzen Momenten. Aber auch das Zusammensein war ein schöner Abschluss dieses Teil-Projektes. Ja, wir haben noch Ideen!

 

H&H Schottel-Springer Jungfernfahrt

 

Achtung Video ist 72 MByte gross!

 

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